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Wir reden immer wieder über dasselbe! – Wenn Gespräche zwischen Vater und erwachsenem Kind feststecken

Manche Gespräche zwischen Vätern und ihren erwachsenen Kindern scheinen einem vertrauten Drehbuch zu folgen.

Ein Thema wird angesprochen. 
Einer fühlt sich kritisiert.
Der andere versucht sich zu erklären.
Alte Vorwürfe kommen dazu.
Irgendwann wird es laut – oder einer zieht sich zurück.

Und am Ende bleibt bei beiden das Gefühl:
„Genau darüber haben wir doch schon hundertmal gesprochen.“


Solche festgefahrenen Gespräche bedeuten nicht unbedingt, dass Vater und Kind keine Beziehung mehr zueinander wollen. Oft ist sogar das Gegenteil der Fall.

Gerade weil beiden die Beziehung wichtig ist, wird immer wieder versucht, etwas zu klären. Doch je häufiger ein Gespräch auf dieselbe Weise endet, desto schwieriger wird es, beim nächsten Mal unbefangen miteinander zu sprechen.

Warum manche Gespräche immer gleich enden

In langjährigen Beziehungen entwickeln sich bestimmte Muster. Das gilt für Partnerschaften genauso wie für Familien.

Ein Vater weiß vielleicht schon nach wenigen Worten, was sein Sohn oder seine Tochter vermutlich als Nächstes sagen wird. Das erwachsene Kind wiederum erkennt am Tonfall des Vaters sofort, wohin sich das Gespräch entwickeln könnte.

Beide reagieren deshalb nicht nur auf das, was gerade gesagt wird. Sie reagieren auch auf viele frühere Gespräche. Ein scheinbar harmloser Satz kann dadurch eine viel größere Bedeutung bekommen.

Der Vater fragt beispielsweise: „Hast du dir das wirklich gut überlegt?“ 
Für ihn ist das vielleicht eine ganz normale Frage.

Beim erwachsenen Kind kommt möglicherweise an: „Du hältst mich noch immer nicht für fähig, meine eigenen Entscheidungen zu treffen.“ 
Die Antwort fällt entsprechend schärfer aus.

Der Vater erlebt wiederum: „Ich darf offenbar überhaupt nichts mehr sagen.“ 
Und schon befinden sich beide wieder in einem bekannten Muster.

Wenn der aktuelle Streit eigentlich eine Vorgeschichte hat

Viele Konflikte zwischen Vätern und ihren erwachsenen Kindern entzünden sich an ganz konkreten Dingen.

Es geht um einen Partner oder eine Partnerin.
Um berufliche Entscheidungen.
Um Geld.
Um die Häufigkeit des Kontakts.
Um Feiertage.
Um Unterstützung.
Oder um einen gut gemeinten Ratschlag.

Doch manchmal erklärt das aktuelle Thema allein nicht, warum ein Gespräch so schnell eskaliert. Dann kann es hilfreich sein, sich zu fragen:

Worum geht es hier noch?

Vielleicht fühlt sich der Sohn seit Jahren zu wenig anerkannt.
Vielleicht erlebt die Tochter die Sorge ihres Vaters als ständige Einmischung.
Vielleicht hat der Vater das Gefühl, dass alles, was er über Jahrzehnte für seine Familie getan hat, heute nicht mehr gesehen wird.
Oder es existiert eine alte Verletzung, über die nie wirklich gesprochen wurde.
Dann trägt ein aktueller Streit plötzlich sehr viel Vergangenheit mit sich.

„Aber so war das doch gar nicht“

Besonders schwierig werden Gespräche häufig, wenn Vater und Kind über gemeinsame Erlebnisse aus der Vergangenheit sprechen.

Denn dieselbe Situation kann von zwei Menschen völlig unterschiedlich erinnert werden.

Das erwachsene Kind sagt vielleicht:
„Du warst damals nie für mich da.“

Der Vater denkt sofort an all die Dinge, die er getan hat:
an lange Arbeitstage, finanzielle Verantwortung, Fahrten, Unterstützung und Entscheidungen, die er im Interesse seiner Familie getroffen hat.

Er antwortet:
„Das stimmt doch überhaupt nicht.“

Damit beginnt häufig eine Diskussion darüber, welche Erinnerung richtig ist. Doch genau diese Frage führt oft nicht weiter. Denn wenn ein erwachsener Sohn sagt:
„Ich habe mich damals allein gefühlt“, 
dann beschreibt er zunächst sein Erleben.

Der Vater muss dafür nicht bestätigen, dass er objektiv „nie da war“. Umgekehrt bedeutet die Erinnerung des Kindes nicht automatisch, dass alles, was der Vater damals getan hat, wertlos gewesen wäre.

Zwei unterschiedliche Wahrnehmungen können nebeneinander bestehen.

Das ist manchmal schwer auszuhalten – kann aber eine wichtige Voraussetzung dafür sein, einander überhaupt wieder zuzuhören.

Recht haben oder verstanden werden?

In Konflikten entsteht schnell der Wunsch, die eigene Sichtweise zu erklären. Das ist verständlich: Wer sich ungerecht beurteilt fühlt, möchte richtigstellen. Wer sich verletzt fühlt, möchte endlich gehört werden.

Dabei kann jedoch ein Kreislauf entstehen: Der eine erklärt, warum seine Sicht stimmt. Der andere erklärt, warum genau diese Erklärung beweist, dass er nicht verstanden wird. Je ausführlicher beide argumentieren, desto stärker verhärten sich die Positionen.

Dann geht es irgendwann weniger um das ursprüngliche Thema als darum:
Wer hat recht?

In Familienkonflikten kann eine andere Frage manchmal hilfreicher sein:
Was müsste der andere verstehen, damit ich mich gehört fühle?

Das ist nicht dasselbe wie:
Was müsste der andere zugeben, damit ich recht bekomme?

Alte Rollen sind erstaunlich schnell wieder da

Auch erwachsene Kinder bleiben in der Beziehung zu ihren Eltern Kinder. Nicht im Sinne von Unselbstständigkeit – sondern weil eine gemeinsame Geschichte existiert.

Ein erwachsener Mann kann beruflich Verantwortung für viele Menschen tragen und sich im Gespräch mit seinem Vater innerhalb weniger Minuten wieder wie ein Jugendlicher fühlen, der sich verteidigen muss.

Eine erwachsene Tochter kann ihr Leben völlig selbstständig gestalten und trotzdem erleben, dass ein bestimmter Satz ihres Vaters eine Reaktion auslöst, die sie aus ihrer Jugend kennt.

Gleichzeitig kann auch ein Vater sehr schnell wieder in seine frühere Rolle geraten. Er will helfen. Er will warnen. Er will eine Lösung anbieten. Und merkt vielleicht gar nicht, dass sein erwachsenes Kind gerade gar keine Lösung von ihm möchte.

Solche Muster entstehen nicht absichtlich. Deshalb lassen sie sich häufig auch nicht allein durch den Vorsatz verändern:
„Beim nächsten Mal reden wir einfach ruhiger miteinander.“

Wenn einer redet und der andere schon die Antwort vorbereitet

In festgefahrenen Konflikten hören Menschen einander häufig nicht mehr wirklich zu. Während der eine spricht, denkt der andere bereits darüber nach, was er darauf antworten wird. Man kennt die Argumente des anderen schließlich schon. Dadurch entsteht etwas Paradoxes: Beide reden sehr viel miteinander – und beide fühlen sich gleichzeitig nicht gehört.

Ein Vater denkt vielleicht:
„Ich habe ihm das schon so oft erklärt.“

Der Sohn denkt:
„Er hört überhaupt nicht, was ich eigentlich sage.“

Das Problem ist dann nicht unbedingt, dass zu wenig gesprochen wurde. Vielleicht wurde sogar sehr viel gesprochen. Aber immer innerhalb desselben Musters.

Abstand kann helfen – aber nicht immer klären

Nach einem Streit kann Abstand sinnvoll sein. Manchmal braucht es Zeit, damit Emotionen wieder ruhiger werden. Schwierig wird es, wenn Abstand zum einzigen Weg wird, Konflikte zu vermeiden. Dann gibt es vielleicht bestimmte Themen, die irgendwann gar nicht mehr angesprochen werden.

Familientreffen funktionieren – solange niemand über Politik spricht.Oder über die Vergangenheit. Oder über den neuen Partner. Oder darüber, warum man sich so selten sieht.

Die Beziehung kann dadurch oberflächlich friedlicher werden. Das eigentliche Thema bleibt jedoch bestehen. Und manchmal genügt irgendwann ein kleiner Anlass, damit der alte Konflikt sofort wieder da ist.

Wann kann ein begleitetes Gespräch sinnvoll sein?

Nicht jeder Konflikt zwischen Vater und Kind braucht professionelle Begleitung. Viele Meinungsverschiedenheiten lassen sich selbstverständlich innerhalb der Familie klären. Ein begleitetes Gespräch kann jedoch sinnvoll sein, wenn Vater und erwachsenes Kind merken:

  • Wir landen immer wieder beim selben Streit.
  • Unsere Gespräche eskalieren sehr schnell.
  • Einer von uns zieht sich inzwischen vollständig zurück.
  • Wir sprechen über bestimmte Themen überhaupt nicht mehr.
  • Alte Verletzungen kommen immer wieder hoch.
  • Beide fühlen sich vom anderen nicht verstanden.
  • Wir möchten die Beziehung verbessern, wissen aber nicht mehr, wie wir miteinander darüber sprechen können.
  • Ein Gespräch zu zweit ist kaum mehr möglich, ohne dass wir sofort in unsere alten Rollen zurückfallen.

Die Entscheidung für eine Beratung bedeutet dabei nicht, dass die Beziehung besonders „schlecht“ sein muss. Manchmal bedeutet sie einfach: Wir möchten etwas anders machen als bisher.

Was ist in einer Vater-Kind-Beratung anders?

In unserer Vater-Kind-Beratung in Wien begleiten mein Sohn Dino und ich Gespräche zwischen Vätern und ihren erwachsenen Kindern gemeinsam.

Der Vorteil eines begleiteten Gesprächs besteht zunächst darin, dass jemand darauf achtet, was zwischen den Beteiligten passiert.

Nicht nur: Worüber wird gestritten?

Sondern auch: Wie entsteht der Streit? Wann kippt das Gespräch? Welche Aussage löst welche Reaktion aus? Welche Erwartungen stehen dahinter? Und welches eigentliche Bedürfnis ist vielleicht hinter einem Vorwurf verborgen?

Als Außenstehende können wir ein Gespräch an Stellen verlangsamen, an denen Vater und Kind normalerweise sehr schnell in ihre vertrauten Reaktionen geraten.

Manchmal entsteht dadurch erstmals die Möglichkeit, einen Satz nicht sofort zu beantworten, sondern zunächst wirklich zu hören.

Es geht nicht darum, einen Schuldigen zu finden

Ein begleitetes Gespräch ist kein Gerichtsverfahren. Wir entscheiden nicht, welche Seite recht hat. Auch geht es nicht darum, festzustellen, wer in der Vergangenheit welche Fehler gemacht hat. Natürlich kann Verantwortung ein Thema sein. Manchmal ist es wichtig, eine Verletzung anzuerkennen oder sich für etwas zu entschuldigen. Doch der Blick richtet sich nicht ausschließlich zurück. Mindestens ebenso wichtig ist die Frage:

Wie soll unsere Beziehung heute aussehen?

Was wünschen sich beide voneinander? Was ist realistisch? Welche Grenzen müssen respektiert werden? Und was müsste sich verändern, damit Gespräche zukünftig anders verlaufen können?

Auch Versöhnung ist kein vorgeschriebenes Ziel

Manchmal entsteht im Rahmen einer Vater-Kind-Beratung wieder mehr Nähe. Manchmal gelingt eine Aussprache, die lange nicht möglich war. Manchmal verändert sich aber auch etwas anderes: Vater und Kind verstehen einander besser, obwohl sie weiterhin unterschiedliche Ansichten haben. Grenzen werden klarer. Erwartungen werden realistischer. Oder beide finden eine Form des Kontakts, die weniger konfliktreich ist als bisher.

Eine gute Lösung muss deshalb nicht bedeuten, dass Vater und Kind anschließend alles miteinander teilen oder dieselbe Sicht auf die Vergangenheit haben.

Manchmal ist bereits sehr viel gewonnen, wenn sie über schwierige Dinge sprechen können, ohne immer wieder beim selben Streit zu landen.

Wenn Sie immer wieder dasselbe Gespräch führen

Wenn Sie beim Lesen gedacht haben: „Genau so läuft es bei uns.“ dann bedeutet das nicht automatisch, dass die Beziehung festgefahren bleiben muss. Muster sind häufig sehr stabil. Aber wenn sie sichtbar werden, können sich auch neue Möglichkeiten ergeben.

Gemeinsam mit meinem Sohn Dino biete ich eine Vater-Kind-Beratung für Väter und ihre erwachsenen Kinder in Wien an. In einem kurzen kostenlosen telefonischen Vorgespräch können wir zunächst klären, ob ein gemeinsames Gespräch für Ihre Situation sinnvoll sein könnte.

→ Mehr über die Vater-Kind-Beratung in Wien

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