Die Dosis macht das Gift, auch in Partnerschaften und Ehen

 

Eifersucht: Gift oder Elixier einer Partnerschaft aus Sicht des Eheberaters und Paartherapeuten

Während sie von manchen als belebend für die Partnerschaft und Ehe empfunden wird, finden andere sich dadurch eingeengt und kontrolliert – egal ob sie selbst eifersüchtig sind oder der Partner. Dann dieses komplexe Gefühl kann auch für denjenigen eine Belastung werden, der es empfindet, weshalb sich ein professioneller und sachlicher Blick hinter die Kulissen oftmals lohnt. Hierbei kann die Paarberatung sowie Beziehungscoaching helfen, sich selbst zu hinterfragen, Muster zu erkennen und den Grund für das eigene Verhalten sowie das des Partners zu erforschen.

Besitz, Kontrolle und Verlustängste in der Ehetherapie und Paarberatung

Eifersucht ist, wie bereits erwähnt, ein komplexes Gefühl und hat ihren Ursprung in mehreren Bereichen der menschlichen Psyche. Einerseits spielt große Zuneigung dem Partner gegenüber eine wichtige Rolle, andererseits auch Wertschätzung des Geliebten. Daneben spielt allerdings ebenfalls ein in zumindest manchen Bereichen mangelndes Selbstwertgefühl mit. Eifersüchtige Menschen schätzen den Wert ihres Partners oftmals sehr hoch ein, während sie ihren eigenen tendenziell darunter sehen. Dies hat prinzipiell nichts mit generell gering empfundenem Selbstwert zu tun, sondern vor allem mit einem Ungleichgewicht zwischen dem eigenen und dem Wert des Partners. Daraus resultieren Unsicherheiten, was man selbst dem Partner geben kann, weswegen er oder sie überhaupt in dieser Beziehung ist oder ob er oder sie vielleicht gerade auf etwas verzichtet, etwas fehlt, das man selbst nicht geben kann. Dieses Gedankenkarussell entwickelt sich schnell zu einem Gedankenmuster, das sich immer wieder meldet und Unsicherheit verursacht. Diese führen in Folge zu der Angst, der Partner könne genauso denken, weswegen Verlustangst hinzukommt, die wiederum dazu führt, Kontrolle ausüben zu wollen. Immer, wenn wir uns unsicher fühlen, versuchen wir unsere Umwelt zu kontrollieren. Wir bauen Häuser, weil wir das Wetter nicht kontrollieren können, wir führen Hunde an Leinen und binden sie an, weil sie unvorhergesehen und ungewollt handeln können. Dieses Verhalten ist seit Jahrtausenden in unseren Köpfen und setzt sich auch in unseren heutigen Beziehungen fort: Wir versuchen den Partner zu kontrollieren, weil wir ihn nicht verlieren wollen. Das führt jedoch oftmals zum Gegenteil des gewünschten Effekts: Statt ihn stärker an uns zu binden, entfernt er sich immer weiter, denn das Gefühl, nicht frei handeln zu können, löst in den meisten Personen Beklemmung und Stress aus. Dieser Stress führt dazu, dass unser Kampf oder Flucht – System aktiviert wird, sobald der Partner eifersüchtig wirkt. Dass weder Kampf noch Flucht angebrachte und gesellschaftlich akzeptierte Verhaltensweisen in einer Beziehung oder Ehe sind, scheint eine nahezu selbsterklärende Tatsache zu sein und dass auch dies die Eifersucht und damit den Leidensdruck des Partners nicht verringert, sondern im schlechtesten Fall noch erhöht, führt zu einem Teufelskreis aus eifersuchtsgelenkten Gesprächen und Handlungen und Flucht oder Kampf als Reaktion des Partners. Da dies auf Dauer die Beziehung oder Ehe belastet und in manchen Fällen auch zur Trennung bzw. Scheidung des Paares geführt hat, ist die Frage, wie damit umzugehen ist.

Die Dosis macht das Gift, auch in Partnerschaften und Ehen

Wie immer hilft auch bei Eifersucht, mit einer neutralen Person außerhalb der Beziehung zu sprechen, wobei ein Therapeut und Berater hier die Idealbesetzung darstellt. Aufgrund der Professionalität und Distanz zu den Partnern ist es ihm, im Gegensatz zur besten Freundin, dem Bruder oder anderen dem Paar nahestehenden Personen, möglich, die Situation objektiv zu betrachten und zu hinterfragen und neutral Hilfestellungen zu geben. In den Gesprächen wird die Situation evaluiert und zuerst der Ursache für das eifersüchtige Verhalten auf den Grund gegangen. Wie bereits erläutert, sind Verlustängste die Grundlage für Eifersucht, wohingegen diese auf mangelndem Selbstwert basieren. Somit gilt es, den Wert beider Partner aus jeweils der eigenen und der anderen Perspektive zu beleuchten und beiden Partnern zu verdeutlichen, dass ihr Wert füreinander ident ist. Darauf basierend kann die Eifersucht in weiteren Schritten gezielt entkräftet werden, bis sie auf ein für beide Partner angenehmes Maß reduziert ist. Wie bereits eingangs erwähnt, kann Eifersucht in geringen Dosen auch die Beziehung beleben, da für den Partner die Verlustangst und damit auch die vorhandene Zuneigung deutlich wird. Es gilt somit die richtige Dosis zu finden, um die Eifersucht im Zaum zu halten.

Aktualisiert am 24. Juni 2019