"Gesundenuntersuchung" der Ehe oder Partnerschaft
Ist im kommen.

 

Der Partner als Spiegel – warum wir den falschen Partner heiraten aus Sicht des Beziehungsexperten und Paartherapeuten

In unserer Vorstellung heiraten wir Personen, die uns perfekt ergänzen, unsere Sätze beenden können, noch bevor wir sie angefangen haben und die uns vor allem in jeder Situation verstehen und passend zu unserem Befinden reagieren. In der Tat kommt es vor, dass wir solche besonderen Menschen in unserem Leben haben, in der Regel jedoch selten in der Rolle des geliebten Partners, sondern viel häufiger als unsere besten Freunde. Weitaus häufiger fällt die Wahl des Partners auf jemanden, der uns auf die richtige Art und Weise leiden lässt und somit auf eine Person, die nach unserer Traumvorstellung eigentlich die falsche Wahl sein müsste. Dies ist natürlich eine gewagte These, doch meine jahrzehntelange Erfahrung in der Eheberatung und der Paartherapie zeigt, dass unsere Partner uns öfter spiegeln als uns perfekt ergänzen.

Spieglein, Spieglein, nimm meine Hand – „typische“ Partner aus Sicht der Eheberatung und Paartherapie.

Auch wenn es das typische Paar nicht gibt und jeder Mensch für sich bereits individuell ist, zeigen sich in der Paartherapie immer wieder typische Muster innerhalb der Beziehungen.Da ich jedem Menschen in einer Partnerschaft raten würde, sich ab und zu mit einem Beziehungsexperten zu treffen, um gemeinsam mit dem Partner oder auch alleine über die aktuellen Themen, Wünsche und Hoffnungen, aber auch Enttäuschungen zu sprechen, habe ich in meiner täglichen Praxis nicht nur mit Krisen, Trennungen und drohenden Scheidungsfällen zu tun, sondern führe auch oft eine „Gesundenuntersuchung“ der Ehe oder Partnerschaft durch. In angenehmer, konfliktfreier Atmosphäre zeigt sich am besten, woran möglicherweise gearbeitet werden sollte und wo Beziehungsprobleme auf lange Sicht entstehen könnten. So zeigen sich in diesen Gesprächen auch die bereits angesprochenen Beziehungsmuster, die auf den „falschen“ Partner hindeuten, wovon ich zwei typische nennen will: Der erste Typ ist ein Partner, welcher Eigenschaften hat, die uns an uns selbst stören.Menschen waren ursprünglich sowohl Beute als auch Jäger und mussten somit auch stets abschätzen, ob etwas gewohnt und somit sicher oder neu und potentiell gefährlich war. Gewohntes – in diesem Fall Eigenschaften, die wir selbst besitzen – ist folglich eine sichere Wahl und als Partner attraktiv. Auch wenn wir uns inzwischen weiterentwickelt haben, eingroßer Teil unseres Gehirns steckt weiterhin in der Steinzeit fest und funktioniert weiterhinso, was oftmals auch praktisch ist. Problematisch ist allerdings, wenn wir diese Eigenschaftenan uns selbst nicht mögen und somit auch an unserem Partner nicht, der uns in diesem Fallspiegelt. Dabei hilft oftmals die Auseinandersetzung mit sich selbst mehr, als der Konflikt mitder geliebten Person. Hier kann jedoch die Paartherapie sehr gut weiterhelfen bei der Selbsterkenntnis. Der zweite Typ ist ein Partner, welcher Verhalten an den Tag legen, das wir bereits in der Vergangenheit bei anderen nahestehenden Personen, Partnern oder Familienmitgliedern, erlebt haben. Hier kommen ebenfalls die im vorigen Absatz genannten „bekannt und somit sicher“ Mechanismen unseres Gehirns als Entscheidungsträger zu tragen, weswegen wir diese Partner wählen. Andererseits gibt es neben diesen Sicherheitskriterien oftmals auch bisher nicht verarbeitete Beziehungen mit anderen Personen, beispielsweise den Eltern, weswegen wir uns unterbewusst solange in dieselben Situationen bringen, bis diese verarbeitet sind und wir gut damit umgehen können. Hatte beispielsweise die Mutter selten Zeit, da sie viel arbeiten musste, fällt die Partnerwahl häufig ebenfalls auf jemanden, der sein Leben zu großen Teilen der Arbeit widmet. Hier gilt es vor allem in der Beziehung Wege zu finden, wie trotz des Verhaltens des einen Partners, der andere gut damit umgehen kann.Die Aufgabe der Paarberatung liegt somit manchmal weniger in der Veränderung von Gewohnheiten, sondern vielmehr in der Veränderung unseres Blickwinkels darauf.

Warum der „falsche“ Partner auf jeden Fall der richtige ist aus Sicht des Beziehungsexperten und Eheberaters

Warum wir uns trotzdem häufig genau solche Partner suchen, die uns oder eine unverarbeitete Verhaltensweise eines anderen geliebten Menschen spiegeln und nicht einfach unsere perfekte Ergänzung? Die Theorie dahinter besagt, dass wir uns unterbewusst häufig Partner suchen, die uns in unserer eigenen Persönlichkeitsentwicklung helfen. Somit sind Partner, die uns auf die eine oder andere Art und Weise den Spiegel vorhalten nicht nur sehr häufig, sondern aus Sicht des Beziehungsexperten ein großer Gewinn für jeden Menschen. Viele Personen tun sich schwer damit, sich selbst zu lieben und zu akzeptieren, wie sie sind, manche Änderungen und Entwicklungen brauchen jedoch Zeit oder sind unter Umständen gar nicht möglich. Einen Partner zu haben und zu lieben, der dieselben(ungeliebten) Eigenschaften aufweist, kann dabei helfen, sich selbst anzunehmen. Diese wichtige Basis für Selbstliebe und somit für ein selbstzufriedenes Leben schafft in Folge auch größere Entspannung in der Beziehung.

Aktualisiert am 6. Februar 2020