Dabei kann ein Paartherapeut und Eheberater helfen: sowohl in guten Zeiten , als auch in schlechten Zeiten.

 

Ehe – ein überholtes Modell? Ehe und Scheidung aus Sicht des Beziehungsexperten und Eheberaters

Während in früheren Zeiten das Urteil bei der Hochzeit lebenslänglich lautete, bedeutet dies heute oftmals nur, eine aufwändigere Trennung nach einigen Jahren in Kauf zu nehmen. Denn so gut die Vorsätze bei der Eheschließung auch sein mögen, in vielen Fällen entwickeln sich die Partner in verschiedene Richtungen, stellen nach Jahren, womöglich auch Jahrzehnten fest, dass sie nicht mehr so gut zusammenpassen, dass die Vorstellungen andere sind und die Beziehung an Wert verloren hat. Pessimisten schreiben somit der Ehe zu, das Auslaufmodell einer Beziehung zu sein, ein Relikt aus vergangenen Jahrhunderten, bestenfalls eine romantische Tradition. Als Eheberater und Coach für Partnerschaften in allen Lebenslagen kann ich dem jedoch kaum zustimmen, genauso wenig wie hoffnungslosem Optimismus und rosaroter Brille: Die Ehe ist aus meiner Sicht sicherlich nicht der sichere Hafen, der er einst war, doch sie ist zu beliebt, zu revitalisiert und modern für eine sterbende Tradition.

 

Scheidungsraten und Eheschließung – Trends einer Wegwerfgesellschaft in der Eheberatung und Paartherapie

 

Hochzeiten liegen im Trend: größer, opulenter, märchenhafter! Was bis vor 10 Jahren in den Statistiken wie eine aussterbende Tradition aussah, ist seitdem wieder auf dem aufsteigenden Ast. Heute werden so viele Ehen geschlossen wie zuletzt im Jahr 1990, vor allem junge Paare trauen sich sprichwörtlich und gehen den Bund fürs Leben ein. Heiraten ist wieder modern, die Ehe ein Weg, der auch in der heutigen, schnelllebigen Zeit an Reiz nicht verloren hat, vielleicht sogar durch die rasanten Änderungen eine Stabilität bietet, welche wir in unserer restlichen Umwelt nicht finden können. Als Pessimist könnte man nun behaupten, dass das Fest selbst, die Hochzeit an sich, der Grund für die vielen Eheschließungen ist, denn die Trennung eines Ehepaares ist heutzutage so einfach und häufig, wie noch nie. Doch stimmen die Behauptungen?

Wie die Statistik Austria zeigt, ist die Scheidungsrate ab 1951 von rund 18 % stetig angestiegen, erreichte um das Jahr 2007 ihren Höhepunkt mit beinahe 50 % und sinkt seitdem wieder ab. Vor knapp über 10 Jahren ließen sich somit die Hälfte aller Ehepaare scheiden, die Trennungsraten waren sehr hoch und liegen derzeit noch immer bei knapp über 40 %. Jedoch kann ich aus Sicht des Eheberaters zwei unterschiedliche Trends diesbezüglich erkennen: Zum einen wird die Scheidung immer einfacher, der Scheidungsprozess hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verkürzt, die Abwicklung ist für das Scheidungsgericht zu einem Tagesgeschäft geworden, weswegen weniger Aufhebens darum gemacht wird. Zusätzlich dazu sind Scheidungen längst gesellschaftlich akzeptiert und weniger absonderlich, als noch vor einigen Dekaden. Zum anderen jedoch hat sich in den Köpfen der Menschen nicht nur die Möglichkeit einer Ehescheidung als völlig gewöhnlicher Ausweg aus der Beziehung etabliert, sondern auch die Idee, vermehrt an Beziehungen arbeiten zu wollen. Immer häufiger haben meine Klienten die Scheidung ihrer Eltern als Kinder miterlebt und wollen versuchen, ihre eigene Ehe zu retten. Sie sind dabei durchaus bereit, sehr viel Zeit und Energie in die Suche nach den Problemen, die Problemlösungen, das Finden von Kompromissen und das Aufbauen einer gemeinsamen Zukunft zu investieren.

Vielerorts wird der Vorwurf an die Gesellschaft laut, dass Ehen zu schnell geschieden werden, dass Paare zu wenig an sich arbeiten, zu wenig für die Beziehung kämpfen und dass dies eine allgemeine Erscheinung einer Wegwerfgesellschaft ist, eine Krankheit unserer Zeit: Was nicht mehr passt, wird ausgetauscht. Aus Sicht des Beziehungsexperten und Paartherapeuten, als der ich täglich nicht nur mit funktionierenden Beziehungen zu tun habe, die – salopp ausgedrückt – für eine Gesundenuntersuchung zu mir kommen oder wegen kleinerer Probleme und Entscheidungen Rat suchen, kann ich diesen Trend nur zum Teil bestätigen. Ich sehe natürlich in meiner beruflichen Praxis lediglich Paare, die um die Ehe kämpfen wollen, die eine gemeinsame Zukunft haben wollen, die Probleme beseitigen und ihr Leben gemeinsam verbringen wollen. Jedoch ist die Zahl dieser Klienten in den vergangenen Jahren gestiegen: ich sehe vermehrt Partner, die diesem Wegwerftrend widersprechen, und an dem Eheversprechen festhalten, das sie gegeben haben.

 

Eheversprechen, bis dass der Tod euch scheidet?

 

Manchmal passiert es, dass eine Beziehung, gleichgültig ob Ehe, eingetragene Partnerschaft oder Lebensgemeinschaft, nicht mehr überlebensfähig ist und ein Ende der Beziehung der beste Ausweg für alle Beteiligten ist. Dies ist jedoch aus meiner Erfahrung als Eheberater unabhängig davon, ob Paare verheiratet sind oder nicht. Ob Partner getrennte Wege gehen, oder Lösungen für ihre Situationen finden, ist unabhängig von der Art der Verbindung. Priester, Friedensrichter und Standesämter können weder einen, was zusammengehört, noch kann ein Richter trennen, was beschließt, das Leben gemeinsam zu meistern. Dabei kann ein Paartherapeut und Eheberater helfen: sowohl in guten Zeiten, in denen gemeinschaftlich die Beziehung entspannt betrachtet werden kann, als auch in schlechten Zeiten, in denen Paare einen neutralen Boden zum Reden benötigen, einen Experten, der sie durch die Gespräche führt und dabei hilft, Lösungen zu finden.

Aus Sicht des Eheberaters will ich jedoch folgendes mitgeben: Die Ehe ist ein Versprechen und auch wenn dies in der heutigen Zeit keine lebenslange Garantie darstellt: Was könnte es schöneres geben, als zwei Liebende, die sich versprechen, solange sie können füreinander da zu sein, in guten wie auch in schlechten Zeiten, zueinander zu stehen, die Hürden des Lebens gemeinsam zu überwinden und sich zu achten und zu respektieren, bis dass der Tod oder das Leben sie scheiden?