„Wenn es den/die Traumprinzen/Traumprinzessin schon nicht gibt, dann mach ich ihn/sie einfach dazu!“

 

Paartherapie & Eheberatung – Persönlichkeitschirurgie?

Manche Menschen sind Experten darin, ihren Partner nach ihren Vorstellungen und Wünschen umzuformen. Getreu dem Motto „Wenn es den/die Traumprinzen/Traumprinzessin schon nicht gibt, dann mach ich ihn/sie einfach dazu!“ wird am anderen so lange umgebaut, bis dieser sich eines Tages kaum mehr selbst im Spiegel erkennt. Außenstehende bemerken dann häufig untypische äußerliche Veränderungen (Kleidung, Haarfarbe,…) und/oder eine überraschende Wandlung von Verhalten und Einstellungen (zumindest so lange der Partner anwesend ist). Oft wird den Betroffenen erst nach einer Trennung dann so richtig bewusst, wie sehr sie sich über viele Beziehungsjahre für den anderen verbogen haben. Im besten Fall steht am Ende dieser Entwicklung dann auch die Erkenntnis, dass keinesfalls nur der Ex-Partner dafür verantwortlich war, man selbst hat wohl oder übel auch wesentlich dazu beigetragen. Kann Paartherapie und Eheberatung ebenfalls dazu missbraucht werden, die Persönlichkeit des Partners so umzugestalten, wie man dies für notwendig erachtet?

Einflussnahme auf den Partner aus Sicht der Paartherapie

Der Gedanke „den anderen so sein zu lassen, wie er ist“ mag zuerst einmal großartig klingen und in einem gewissen Rahmen auch seinen Wert haben. Tatsächlich ist es aber praktisch unvermeidlich, dass Menschen in Beziehungen sich wechselseitig beeinflussen. Selbst wenn dies nicht so extrem ausfallen muss, wie im obigen Beispiel: Gerade in der Paartherapie und Eheberatung zeigt sich immer wieder, wie oft wir im Alltag bewusst und unbewusst auf Einstellungen und Verhalten unseres Partners einwirken und wie viel Zeit unseres Lebens wir damit verbringen, uns mit gewissen ungeliebten Eigenarten des anderen auseinander zu setzen. Mit nervigen Angewohnheiten (z.B. Geschirr in der Abwasch, regelmäßige Unpünktlichkeit) können wir uns meist noch irgendwie arrangieren, weitaus schwieriger wird es dann, wenn sich wesentliche Unterschiede in der bevorzugten Beziehungs- und Alltagsgestaltung ergeben (z.B. Bedeutung von Familie/Kindern, Ruhe versus Aktivität, Freizeitaktivitäten). Was bei den gegenseitigen Beeinflussungsversuchen, die zum Teil durchaus auch sehr manipulativ sein können, oft vergessen wird ist, dass man als Paar nur bestehen kann, wenn letzten Endes beide als Gewinner aussteigen. Gerade Paartherapie und Eheberatung kann dahingehend auch dabei helfen sich bewusst zu werden, dass viele Eigenschaften, die wir beim anderen vorschnell als negativ bewerten, durchaus auch für einen selbst sehr nützlich sind („zwei Seiten einer Medaille“). So kann man sich von seinem Partner etwa mehr Abenteuerlust wünschen, mag dabei aber übersehen, dass dessen bodenständige und ruhige Art sehr bei der eigenen Erdung hilft. Es kann also sehr hilfreich und manchmal auch schon ausreichend sein, einfach nur den Blickwinkel zu verändern.

Paartherapie & Eheberatung: Beziehung als Wachstumschance

Dass Partnerschaft auch eine persönliche Veränderung bewirken kann, ist grundsätzlich nichts Schlechtes. Ganz im Gegenteil ist eine Beziehung eine große Wachstumschance für jeden Menschen. In den Augen unseres Partners sehen wir schließlich auch immer einen Teil von uns selbst. Im Laufe einer Beziehung werden wir unweigerlich mit unseren Stärken und Schwächen konfrontiert und können daraus lernen. Auch in der Paartherapie und Eheberatung zeigt sich immer wieder, dass nicht jede Veränderung, die unser Partner anstößt, negativ und manipulativ sein muss. Oft erkennen unsere Liebsten sehr genau und viel deutlicher als wir selbst, wenn wir beispielsweise etwas aus den falschen Gründen tun oder unterlassen, etwa weil wir unsere Komfortzone nicht verlassen wollen oder wir von Unsicherheiten gehemmt werden. „Lass mich so wie ich bin!“ muss also nicht immer heißen, dass unser Partner die gute Absicht hinter der Einflussnahme nicht versteht oder sich in seiner Haut tatsächlich so wohl fühlt. Manchmal sind die inneren Widerstände einfach noch zu groß oder die eingefahren Verhaltensmuster noch zu stark um den ersten Schritt in eine positivere Zukunft zu wagen. Wann immer Druck auf uns ausgeübt wird – und sei es aus noch so hehren Vorsätzen – kann dies schnell zu einer Gegenreaktion führen, gerade dann, wenn bei uns ein wunder Punkt berührt wird. Unser Partner kann uns zwar dabei unterstützen, uns selbst besser zu verstehen und positive Entwicklungen einzuleiten, letzten Endes müssen wir den notwendigen Schritt aber dann immer selbst gehen (wollen). Gerade Paartherapie und Eheberatung kann hier sehr förderlich sein. In einem sicheren Rahmen können Wahrnehmungen und Perspektiven ausgetauscht werden, um so ein besseres Verständnis füreinander und für das eigene (Beziehungs-)Verhalten zu gewinnen. Wenn es um Veränderung geht, versteht sich Paartherapie und Eheberatung dann aber nicht als manipulatives Werkzeug zur Umformung des Partners. Veränderung wird von Seiten des Therapeuten nur dann gefördert, wenn dies dem ehrlichen Wunsch beider Partner entspricht und für sie auch tatsächlich von Vorteil ist. Neben der Möglichkeit von Einzelsitzungen (wenn dies für das Vorankommen als sinnvoll erscheint), ist es gerade die Interaktion der Partner im Wechselspiel mit dem Therapeuten, die äußerst effektiv sein kann. So kann nicht nur ein rasches Lernen ermöglicht sondern auch das Vertrauen ineinander gestärkt werden.