Paartherapie und Eheberatung vermag in diesem Zusammenhang vor allem eines – Klarheit für beide Seiten zu schaffen.

 

Wenn sich der/die PartnerIn nicht traut – Heirat und Kinderwunsch in der Paartherapie und Eheberatung

Wenn sich der/die PartnerIn nicht traut – Heirat und Kinderwunsch in der Paartherapie und Eheberatung.

In der US-amerikanischen Filmkomödie „Die Braut, die sich nicht traut“ entflieht Maggie Carpenter (gespielt von Julia Roberts) im weißen Brautkleid auf einem galoppierenden Pferd ihrer eigenen Hochzeit.
Sich das Ja-Wort zu geben oder sich gemeinsam für Kinder zu entscheiden kann eines der schönsten Momente in einer Partnerschaft sein.
Für manche Paare hingegen entwickelt sich allein die gedankliche Auseinandersetzung mit diesen Reizwörtern zu einem wahren Alptraum und zu einer Zerreißprobe für die Beziehung. Auch in der Paartherapie und Eheberatung bin ich immer wieder mit diesem Thema konfrontiert.

Wenn Lebensvorstellungen auseinander gehen – In der Paartherapie und Eheberatung.


Zu allererst sei einmal gesagt, dass Heirat und gemeinsame Kinder natürlich keine Voraussetzung für eine glückliche Partnerschaft oder ein ausgefülltes Leben darstellen. Es ist genauso legitim sich bewusst gegen Heirat und Kinder zu entscheiden (oder die Entscheidung noch aufzuschieben), was viele Paare auch tun. In meiner Paartherapie und Eheberatung stelle ich daher auch immer die Frage in den Raum, ob die Entscheidung für oder dagegen tatsächlich auf dem eigenen Wunsch oder auf familiärem, gesellschaftlichem oder kulturellem Druck basiert. Manchen Paaren ist tatsächlich schon sehr damit geholfen, das entstandene Gefühl der Unzulänglichkeit („wir sollten / wir müssten“) richtig verordnen zu können. Nicht immer kann äußerer Druck völlig eliminiert werden aber über die eigenen Vorstellungen, Wünsche und Erwartungen zu sprechen kann das subjektive Belastungsgefühl deutlich reduzieren.
Ganz anders verhält es sich jedoch, wenn die Lebenskonzepte der Partner tatsächlich auseinanderklaffen. Hat einer von beiden den starken Wunsch zu heiraten und/oder eine Familie zu gründen, der andere jedoch nicht, so birgt dies vor allem auch über einen längeren Zeitraum ein ungemeines Konfliktpotential. Dabei darf nicht vergessen werden, dass Heirat und Kinderwunsch nicht nur rein verstandesmäßige Überlegungen sind sondern fast immer auch eine starke emotionale Komponente haben.
Als Paartherapeut und Eheberater kann ich daher mit meinen KlientInnen zwar über das konstant steigende Erstheiratsalter (2015: Frauen 30,3 Jahre; Männer 32,6 Jahre) oder andere Formen der Lebensgemeinschaft oder -konzeption sprechen, menschliche Bedürfnisse richten sich jedoch in den seltensten Fällen nach Statistiken aus.
Das Kernproblem ist nicht was andere (nicht) tun oder was üblich ist, es ist schlicht und einfach der Umstand, dass die Vorstellungen der Partner in einer ganz wesentlichen Zukunftsfrage auseinandergehen. Während es in vielen anderen Lebensbereichen die Möglichkeit gibt durchaus gute Kompromisse zu finden, so gestaltet es sich in dieser Frage ob der hohen emotionalen Bedeutung oft als nicht oder nur schwer möglich. Keinen gemeinsamen Weg zu finden kann also auch das Ende der Beziehung bedeuten. Kein Wunder also, dass in solch einer wichtigen Angelegenheit oft auch Paartherapie zur Unterstützung herangezogen wird.

 

Von kalten Füßen – In der Paartherapie und Eheberatung.


Was aber tun, wenn die Vorstellungen bereits weit auseinander gehen? Was tun, wenn der/die PartnerIn nicht will?
Paartherapie und Eheberatung kann schon allein dahingehend ungemein lohnenswert sein, wenn es darum geht, mit der hohen Belastung und dem entstandenen Leidensdruck (auf beiden Seiten!) fertig zu werden.
Wenn es keine klare Vision einer gemeinsamen Zukunft mehr gibt, so steht die Partnerschaft gewissermaßen unter Dauerspannung. Selbst wenn die Gefühle füreinander noch stark sind wird im Laufe der Zeit so fast alles in Frage gestellt. Anfängliche Gefühle wie Enttäuschung, Wut, Schuld oder Minderwertigkeit können sich in große Verzweiflung bis hin zu depressiven Zuständen umwandeln.
Betroffene stellen sich oft immer wieder dieselben quälenden Fragen: Werde ich wirklich geliebt? Stimmt etwas mit mir nicht? Stimmt etwas mit meinem Partner nicht?
Paartherapie und Eheberatung vermag in diesem Zusammenhang vor allem eines – Klarheit für beide Seiten zu schaffen. Das erreicht der Therapeut vor allem dadurch, dass ein sicherer Raum für alle Gedanken und Gefühle geschaffen wird, selbst für jene, die man sich selbst oder dem Partner bis dato nicht eingestehen konnte oder wollte. Nicht immer geht es jedoch darum etwas Geheimgehaltenes an die Oberfläche zu bringen, in vielen Fällen werden Menschen von einem diffusen Gefühl geleitet, das sie bis jetzt selbst nicht wirklich einordnen konnten. Paartherapie und Eheberatung hilft also auch den Partnern sich unabhängig voneinander der eigenen Bedürfnisse bewusst zu werden.
Kalte Füße zu bekommen kann letzten Endes unterschiedlichste Gründe haben. In vielen Fällen sind Konflikte rund um das Zusammenziehen, Heirat oder Kinder nur ein Spiegelbild anderer noch nicht aufgelöster Spannungsfelder in der Beziehung oder der eigenen Lebensgeschichte. Selbst Menschen, die in einer Beziehung zusammen leben, können sich manchmal drastisch voneinander unterscheiden wenn es um das Bedürfnis nach Nähe versus Distanz oder um Verbindlichkeit versus Unabhängigkeit geht. Zusammenzuziehen, zu heiraten oder Kinder zu bekommen kann große Ängste auslösen die eigene Identität zu verlieren, überfordert oder emotional ausgeliefert zu sein. Umgekehrt kann aber auch der Wunsch zu heiraten oder Kinder zu bekommen ein Ausdruck dafür sein, sich nicht ausreichend geliebt zu fühlen („wenn er/sie mich nicht heiratet, liebt er/sie mich nicht“) und das unabhängig davon, was der eigene Partner tatsächlich empfindet.
Das Schaffen von Klarheit kann bereits ungemein befreiend wirken. Wenn absehbar wird, dass es keine gemeinsame Zukunft mehr geben kann, so sind zumindest ein respektvolles Abschiednehmen und ein Neustart möglich. Hat die Beziehung jedoch noch eine Chance, kann bereits die Aussprache den Knoten lösen oder aber die Partner nehmen die Therapie weiterhin in Anspruch um an ihrer Beziehung zu arbeiten und diese zu stärken.