Ängste und psychische Erkrankungen während der Schwangerschaft Paartherapie und Eheberatung

Eine Schwangerschaft wird allgemeinhin, die notwendigen partnerschaftlichen und finanziellen Rahmenbedingungen vorausgesetzt, als eine glückliche und erfüllende Phase im Leben eines Menschen angesehen. Für manche Frauen und ihre Partner stellt sich dieses Glücksgefühl jedoch nicht wie erwartet ein, was zu einer großen psychischen Belastung werden kann. Gerade weil die gesellschaftliche Erwartungshaltung Zufriedenheit und Ausgeglichenheit impliziert, fällt es vielen Menschen jedoch schwer, über ihre Sorgen und Ängste zu sprechen. Paartherapie und Eheberatung kann helfen.

Sorgen und Ängste in der Schwangerschaft sind normal – Paartherapie und Eheberatung

Eines gleich einmal vorweg: Sorgen und Ängste während der Schwangerschaft sind etwas ganz Natürliches. Bei vielen meiner KlientInnen in der Paartherapie und Eheberatung drehen sich die Gedanken um die Gesundheit des Kindes sowie um die Frage, ob man selbst eine gute Mutter oder ein guter Vater sein kann. Viele Menschen fragen sich aber auch, inwiefern sich die Schwangerschaft auf ihre Beziehung (z.B. Sexualität) auswirken wird und wie sie diese mit ihrem Beruf vereinbaren können. Bei Paaren, die bereits ein Kind haben, entsteht manchmal die Sorge, beiden Kindern nicht das gleiche Maß an Aufmerksamkeit geben zu können oder das bestehende Kind zu vernachlässigen. Viele Frauen setzen sich auch intensiv mit der Geburt selbst auseinander: Wie werde ich das schaffen? Welche Schmerzen kommen auf mich zu? Frauen, die bereits eine schwierige Schwangerschaft erlebt haben, haben oft große Ängste davor, diese Erfahrungen noch einmal durchleben zu müssen. Oft können Gespräche mit dem Arzt des Vertrauens oder eine gute Geburtsvorbereitung Sorgen nehmen, indem medizinische Fragen geklärt und das Selbstvertrauen gestärkt wird. Aber auch Paartherapie und Eheberatung können hier ungemein nützlich sein, da im Speziellen das Paar als funktionelle Einheit im Vordergrund steht. Im geschützten Rahmen der Paartherapie kann so ein Mehr an gegenseitigem Verständnis und Vertrauen entstehen.

Paartherapie und pathologische Angst- und Depressionszustände

Die eben erwähnten Sorgen und Ängste sind zwar nicht ungewöhnlich, sollten aber keinesfalls bagatellisiert werden. Nur wenige zielgerichtete Interventionen können bereits Druck nehmen und für ein höheres Maß an Entspanntheit sorgen. Von den normalen Gefühlsschwankungen und Missempfindungen der Frau in der Schwangerschaft, die auch durch die hormonelle Umstellung ausgelöst werden können, müssen jedoch pathologische Zustände abgegrenzt werden, die dringend behandlungsbedürftig sind. Gerade für Menschen mit Risikofaktoren, wie etwa einer vorhergehenden psychischen Erkrankung, ist die Wahrscheinlichkeit deutlich erhöht, während der Schwangerschaft eine Angststörung oder depressive Erkrankung zu entwickeln. Nicht nur die Schwangere selbst ist dadurch einem erhöhten Risiko ausgesetzt (z.B. erhöhte Suizidalität), durch die Ausschüttung von Stresshormonen kann auch das Kind in Mitleidenschaft gezogen werden. Besondere Vorsicht ist dann geboten, wenn eine dauerhaft gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit, Unruhe/Kraftlosigkeit, Schlafstörungen, Appetitverlust, extremes Sich-Sorgen-Machen, Panikattacken oder andere gravierende Angstzustände auftreten. In diesen Fällen ist in jedem Fall das Aufsuchen eines Facharztes notwendig. Paartherapie als gemeinschaftliche Psychotherapie kann hierbei in Kombination für eine erfolgreiche und rasche Behandlung eingesetzt werden. Neben der generellen Wirksamkeit der Therapie ist dabei auch von Vorteil, dass dem Körper keinerlei chemische Substanzen zugeführt werden müssen.

Paartherapie: Tabuthema psychische Erkrankungen während der Schwangerschaft

Das Auftreten psychischer Erkrankungen während der Schwangerschaft wurde lange Zeit tabuisiert und auch wissenschaftlich vernachlässigt. Während man sich mit depressiven Phasen nach der Schwangerschaft intensiv auseinandersetzte (so genannte „Babyblues“ oder „Heultage“), wurde diesem Thema nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt, da davon ausgegangen wurde, dass die hormonelle Umstellung des Körpers in der Schwangerschaft ein eher schützender Faktor ist. Neuesten Schätzungen zufolge entwickeln jedoch bis zu 20% aller Schwangeren Depressionen oder behandlungsbedürftige Ängste. Die Folgen der Tabuisierung können weitreichend sein. Für eine werdende Mutter (und ihren Partner) kann es enorm belastend sein, keine Freude auf ihr Kind zu verspüren. Viele dieser Frauen kämpfen mit Schuldgefühlen und Versagensängsten, nichts ahnend, dass hinter ihren Empfindungen eigentlich eine Depression steht. Relativ wenig Beachtung fand auch die Schwangerschaftsphobie (Tokophobie), also die pathologische Angst vor eine Schwangerschaft oder Geburt. Trotz oftmals bestehendem Kinderwunsch vermeiden Frauen aus dieser tiefen Angst heraus eine Schwangerschaft. Werden sie ungewollt schwanger, kann die Phobie der Antrieb für einen Schwangerschaftsabbruch oder dem Verlangen nach einem medizinisch nicht indizierten Kaiserschnitt sein. Auch eine Posttraumatische Belastungsstörung in Folge einer schwierigen Geburt kann massive Auswirkungen selbst auf eine weitere, geplante Schwangerschaft haben.Paartherapie und Eheberatung können in jedem Fall als sicherer Rahmen betrachtet werden, in dem Sorgen und Ängste nicht nur Raum gegeben werden kann, sondern Frauen und ihre Partner die notwendige professionelle Unterstützung finden.

Aktualisiert am 13. September 2016

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