Dominanz, der Pfeffer in der Beziehungs-Suppe?

 

Macht und Dominanz in der Partnerschaft Paartherapie und Eheberatung

Aus meinen langjährigen Erfahrungen in der Paartherapie und Eheberatung weiß ich, dass Dominanz und Macht oft Tabu-Themen in Partnerschaften sind. Auf der einen Seite beschäftigen sich Paare mehr oder weniger verdeckt immer wieder intensiv damit, auf der anderen Seite haftet diesen Begriffen etwas Unschönes an. Dominanz und Macht werden oft mit Manipulation und einem moralisch bedenklichen Ungleichgewicht verbunden. Auch scheint das egoistische ‚Ich‘ eine Bedrohung für das harmonische ‚Wir‘ zu sein. Zusätzlich spielen auch Geschlechts-Stereotype (z.B. der ‚starke Mann‘) und damit verbundene Erwartungen und Befürchtungen eine nicht geringe Rolle.
Damit konfrontierte Paare winken daher in einer ersten Reaktion oft gleich einmal ab. Nein, Macht und Dominanz seien in ihrer Beziehung kein Thema, man führe eine gleichberechtigte Partnerschaft.
Aber ist dem wirklich so?

Dominanz, der Pfeffer in der Beziehungs-Suppe – Paartherapie und Eheberatung


Tatsächlich benötigt jede Beziehung eine gesunde Portion Dominanz. Sie hält die Beziehung lebendig und sorgt für die notwendige Spannung in Sachen Sexualität. Macht und Dominanz sind zu Unrecht negativ belegt, denn sie sind ein natürlicher und wichtiger Teil jeder Beziehung. Wo auch immer menschliche Interessen zusammenstoßen, entstehen automatisch auch Dominanz- und Macht-Dynamiken. Wechselseitige Beeinflussung und Kontrolle wird oftmals gar nicht so bewusst wahrgenommen, ist aber stets präsent.
Auch für unsere Sexualität spielt Macht und Dominanz eine wesentliche Rolle. Erotik entsteht schließlich aus dem Wechselspiel zwischen Annährung und Distanz, Rückzug und Eroberung.
Doch wer ist in der Beziehung dominant, wer unterwürfig? In der Paartherapie und Eheberatung stellt sich oft heraus, dass diese Frage gar nicht so einfach zu beantworten ist. Denn häufig sind die Partner in unterschiedlichen Bereichen dominant respektive unterwürfig und auch auffällige Dominanz kann in diesem Zusammenhang trügerisch sein, denn auch subtile Formen der Machtausübung können äußerst wirksam sein. Allgemein kann aber gesagt werden, dass der mächtigere Partner in der Regel derjenige ist, dessen Bedürfnisse weniger vom anderen abhängen.

Macht und Balance – Paartherapie und Eheberatung


In der Paartherapie und Eheberatung mache ich immer wieder die Erfahrung, dass die Scheu vor einer Auseinandersetzung mit Dominanz und Macht in der eigenen Beziehung häufig aus einem falsch verstandenen Gleichberechtigungs- und Harmonie-Verständnis resultiert. Während das Machtgefälle in unserer Eltern- oder Großeltern-Generation noch relativ klar zugunsten des Mannes geregelt war, sind die Geschlechtsrollen heute viel komplexer und zum Teil auch unverständlicher geworden. Viele Paare empfinden es als äußerst erstrebenswert, eine absolut gleichberechtigte Beziehung auf Augenhöhe zu führen. In diesem Zuge wird versucht, auf möglichst allen Ebenen eine gemeinsame Entscheidung herbeizuführen. Daraus entstehende Kompromisse sorgen aber trotz guter Absichten nicht selten auf beiden Seiten für Unzufriedenheit. Das zugrunde liegende Problem ist, dass es für menschliche Interessen und Bedürfnisse selbst bei bester Beziehungsqualität nicht immer einen gemeinsamen Nenner gibt. Gleichberechtigung heißt in diesem Zusammenhang keinesfalls, dass Machtausübung ein generelles Übel ist. Denn just die wechselseitige Durchsetzung, das Reiben am Partner gehören neben Phasen der Harmonie und des Gleichklangs unzertrennlich zu einer lebendigen Partnerschaft.
Aus Sicht der Paartherapie und Eheberatung ist es hingegen wichtig, die richtige Balance zu finden. Neben der Balance zwischen Harmonie und Auseinandersetzung ist entscheidend, dass auch die Entscheidungshoheit sowie die Beeinflussung und Kontrolle des Partners nicht in eine Schieflage gerät.

Der Preis der Macht – Paartherapie und Eheberatung


Selbst wenn die Dominanz des Partners durchaus auch attraktiv sein kann, kaum jemand möchte ständig unterbuttert werden. Wird einer der Partner dauerhaft übergangen, so beginnt dieser (manchmal unbewusst) den wahrgenommenen Kontrollverlust zu kompensieren. Ständiges Nörgeln am Partner oder sexueller Rückzug, beides Formen der Macht- und Kontrollausübung, können dahingehend Hinweise sein. Die Folge ist ein Beziehungs-Kleinkrieg, der schließlich nur in gegenseitiger Abwertung enden kann.
Es sind also stets beide Seiten gut damit beraten, Kontrolle und Einfluss in der Beziehung aufzuteilen.
Paartherapie und Eheberatung hilft ungemein, verdeckte Dominanz- und Macht-Dynamiken an die Oberfläche zu bringen. Paaren wird so oftmals erst das eigentliche Thema für bereits verhärtete Konflikte oder für Langeweile im Schlafzimmer bewusst.
In der Paartherapie und Eheberatung lernen Menschen Dominanz in der Beziehung als wertvolle Wirkkraft zu verstehen, die es nicht zu verteufeln sondern lediglich in eine gesunde Balance zu bringen gilt.