Aus Sicht der Paartherapie und Eheberatung gibt eine enge Verschränkung von Partnerschaft und Beruf.

 

Stress, Burnout und Partnerschaft in der Paartherapie und Eheberatung

Laut einer aktuellen Allianz-Studie (1.000 Befragte zwischen 18 und 65 Jahren) fühlen sich unglaubliche 39% aller Österreicher durch zu viel Stress im Job erheblich in ihrem Leben beeinträchtigt. Jeder vierte Berufstätige ist den Ergebnissen zufolge sogar akut von Burn-out bedroht.

Am meisten stressen Zeitdruck (31%), Leistungsdruck (25%) sowie das (schlechte) Betriebsklima (13%). Besonders betroffen sind Pädagogen (45%), Mitarbeiter im Handel (43%), im Transportwesen (42%), im Tourismus (41%) sowie im Banken- und Versicherungswesen (40%). Männer gaben höhere Belastungen an als Frauen, Jüngere sind etwas stärker gefährdet als Ältere.
Als Paartherapeut und Eheberater war ich jedoch nicht überrascht davon, dass die Studie auch eine andere, oft übersehene Seite zeigte: Nicht nur die Arbeit stresst, jeder vierte Befragte berichtete von erheblichem Stress im Privatleben, so genanntem „Freizeitstress“. An erster Stelle stehen dabei Beziehungsprobleme.

Beruflicher Stress und seine Auswirkungen auf die Partnerschaft –  Paartherapie und Eheberatung


Arbeit und Privatleben strikt voneinander zu trennen, macht aus ganzheitlich-gesundheitlicher Sicht natürlich wenig Sinn. Schließlich sind beide Bereiche eng miteinander verworren.
Wer unter hohem Stress in der Arbeit leidet, der trägt oft ungewollt seine Probleme mit in die Partnerschaft. Dessen muss man sich im Alltag nicht einmal immer bewusst sein. KlientInnen in meiner Paartherapie und Eheberatung berichten immer wieder von einem Mangel an Zeit, der sich aus beruflichen Überbeanspruchungen ergibt.
Selbst wenn mit diesem Druck auf persönlicher Ebene noch relativ gut umgegangen wird, hat dies unmittelbare Auswirkungen auf die Beziehung: Wenn weniger Raum für Gemeinsamkeit da ist, besteht die Gefahr sich voneinander zu entfernen. Oft ist es jedoch eine nicht geringe Herausforderung Zweisamkeit zurück zu gewinnen, schließlich wartet auch das Privatleben mit vielen Zeitfressern und Stressfaktoren auf. In vielen Fällen heißt es dahingehend einerseits ein besseres Zeitmanagement zu entwickeln und andererseits zu lernen, gemeinsame Zeit bewusster miteinander zu gestalten.
Erhöht sich der Stress oder wirkt über einen längeren Zeitraum negativ ein, so können sich in diesem Zuge jedoch auch andere Beziehungsprobleme entwickeln. Ist einer (oder beide) der Partner oft gereizt oder passiv-aggressiv, so steigt das Risiko für Konflikte. Nicht selten ist der Partner dann ungewollter Blitzableiter für Frustrationen, die im Arbeitskontext aufgebaut und gleichzeitig unterdrückt werden. Aber auch regelmäßige Erschöpfung und Ausgelaugtheit können ihren Tribut fordern, etwa wenn dadurch gemeinsame Aktivitäten vernachlässigt werden oder es plötzlich im Bett nicht mehr so funktioniert wie es eigentlich sollte.

Beziehungsprobleme und berufliche Leistungsfähigkeit – Paartherapie und Eheberatung


Umgekehrt können anhaltende Beziehungskonflikte ungeahnte Auswirkungen auf die berufliche Leistungsfähigkeit haben. Mangelnde Konzentrationsfähigkeit und eine geringere Belastbarkeit führen zu Fehleranfälligkeit und zehren kontinuierlich an jenen Energiereserven, die uns auch schwierige berufliche Zeiten überstehen lassen. In extremen Fällen kann dies bis zum Arbeitsplatzverlust führen.
Aus Sicht der Paartherapie und Eheberatung gibt es also eine enge Verschränkung von Partnerschaft und Beruf. Nur wer es schafft Privatleben und Beruf im Gleichgewicht zu halten (Work-Life-Balance) bleibt langfristig gesund. Umgekehrt können Beziehungsprobleme punktuell (heftige Krise) aber auch über einen längeren Zeitraum das Risiko deutlich erhöhen, an einer stressinduzierten psychischen Störung zu erkranken.
Paartherapie kann als kombinierte Psychotherapie dahingehend sehr effizient sein. Während in anderen Therapieformen die Wechselwirkungen mit der Partnerschaft oft vernachlässigt oder gar gänzlich übersehen werden, ist der systemische Ansatz der Paartherapie perfekt dazu geeignet, den Menschen in seiner Gesamtheit wieder in ein Gleichgewicht zu bringen. Eine Stärkung der Partnerschaft und der damit verbundenen Ressourcen hat auch dann positive Auswirkungen, wenn die Belastung ursprünglich von beruflichen Stressoren ausging.

Burn-Out-Syndrom – Paartherapie und Eheberatung


Der Begriff Burn-out hat in unsere Alltagssprache Einzug gehalten, verliert durch seine häufige Verwendung dabei jedoch immer mehr seine ursprüngliche Bedeutung. Der vom englischen Begriff „burn out“ also „ausbrennen“ abgeleitete Begriff des Burn-Out-Syndroms beschreibt einen andauernden Zustand der sowohl körperlichen als auch emotionalen totalen Erschöpfung. Besonders häufig sind davon Menschen betroffen, die in ihrem Beruf sehr viel mit anderen Menschen zu tun haben (z.B. Lehrer, Erzieher, Ärzte, Pflegekräfte – aber auch pflegende Angehörige oder Personen im Mittleren Management) und zu einem hohen Maß an Engagement und Perfektionismus neigen. Zu gesundheitlichen Problemen kommt es immer dann, wenn Herausforderungen konstant die Anpassungsfähigkeit sowie die Stressverarbeitungskapazitäten eines Menschen überschreiten.
Ein voll ausgeprägtes Burn-Out-Syndrom ist dabei in seinem Schwergrad nicht mit einer in vielen Fällen kurzfristigen Belastungsreaktion vergleichbar. Im letzten Stadium der sich schleichend entwickelnden Störung kommt es zu einem völligen physischen und psychischen Zusammenbruch mit dramatischen Auswirkungen auf die Partnerschaft.
Bei einem Bur-Out-Syndrom ist es daher wichtig, möglichst frühzeitig mit einer Therapie zu beginnen. Wird die Dynamik früh erkannt, kann oft Schlimmeres verhindert werden. Aus meiner Erfahrung als Paartherapeut und Eheberatung weiß ich, dass oft der Partner diese Früherkennungsfunktion übernimmt. Während das Arbeitsumfeld und selbst Ärzte oft erst sehr spät die zerstörerische Entwicklung erkennen, schlägt in vielen Fällen der Partner im Hintergrund schon lange Alarm.
Paartherapie und Eheberatung kann in diesem Zusammenhang stark präventiv wirken. Indem die problematische Entwicklung thematisiert wird, ein privater Ausgleich und bessere Entspannungsmöglichkeiten gefördert werden, wird nicht nur die Beziehung sondern auch die Gesundheit gestärkt.