Der Wunsch nach bedingungsloser Liebe, genauso wie nach Anerkennung, Respekt und Selbstverwirklichung, gehören zu unseren Grundbedürfnissen.

 

„Ich liebe dich, wenn…“ – Von den Bedingungen bedingungsloser Liebe in der Paartherapie und Eheberatung

„Ich liebe dich, wenn du den Müll hinunterbringst.“, „Ich liebe dich, wenn du Karriere machst.“, „Ich liebe dich, wenn du mit dem Hund Gassi gehst.“, „Ich liebe dich, wenn du deine Schmutzwäsche wegräumst.“ Völlig überspitzt, jedoch leider erstaunlich treffend, kann oftmals die Gefühlslage in Partnerschaften zusammengefasst werden. Man liebt den Partner über alles, solange er sich an die Regeln hält. Wenn er jedoch im Alltag anders handelt als gewünscht, ist man enttäuscht, vielleicht manchmal sogar wütend. Allzu oft haben Streit und Beziehungsprobleme ihren Anfang in alltäglichen Kleinigkeiten. Doch sollte unsere Liebe idealerweise nicht bedingungslos sein? Sollten wir den Partner nicht eigentlich als den Menschen, der er ist, mit all seinen Stärken und Schwächen, schätzen und lieben? Ist es nicht dieser Mensch, den wir kennengelernt und in den wir uns vor all den Jahren verliebt haben?

In der Paartherapie treffe ich immer wieder auf Paare, die sich aus ganzem Herzen lieben, sich jedoch gegenseitig ihre Fehler und Versäumnisse der vergangenen Jahre oder gar Jahrzehnte vorhalten. Dabei geht es oftmals nicht um Vertrauensbruch, Untreue oder ähnlich schwerwiegende Ereignisse, sondern um den Alltag. Ein Partner vergisst den Müll hinunterzubringen, der andere ist irritiert, da er neben all den anderen Aufgaben im Haushalt auch noch diese übernehmen muss. In vielen Fällen ist der Ärger über das Verhalten des Partners jedoch unverhältnismäßig groß, weswegen es sich lohnt, zu hinterfragen, weswegen die Situation derartig frustriert.

Liebe, Anerkennung, Respekt – Wünsche und Bedürfnisse im Beziehungscoaching

Der Wunsch nach bedingungsloser Liebe, genauso wie nach Anerkennung, Respekt und Selbstverwirklichung, gehören zu unseren Grundbedürfnissen. Hat man jedoch das Gefühl, in der Beziehung ist die Liebe des Partners an eine Liste von Bedingungen geknüpft, sieht man sich einer mitunter schwierig zu akzeptierenden Situation konfrontiert und oft hilft es, das Gespräch zu suchen. Da dieses Thema jedoch heikel ist, da der Partner denken könnte, dass man ihm mangelnde Liebe vorwirft, kann das Ansprechen der eigenen Gefühle und Sichtweise zu Streit führen. In der Regel kann bei der Vermittlung des eigenen Standpunkts eine dritte Instanz, ein außenstehender Berater, für die notwendige Objektivität, konstruktive Gespräche und vor allem einen neutralen Boden sorgen. Hier empfiehlt sich in der Paartherapie über den erweckten Eindruck, die Situationen und die Gefühle, die damit verbunden sind, zu sprechen. Genauso jedoch auch darüber, weswegen man den Partner liebt und zwar möglichst ohne „obwohl“, sondern mit viel mehr „gerade deshalb“. Man liebt den Partner nicht obwohl er stur ist, sondern gerade weil er seinen eigenen Kopf hat und den auch manchmal durchsetzt. Man liebt ihn nicht obwohl er manches Mal vergisst, sondern gerade wegen seiner Verträumtheit.

Alltag als „Liebestöter“ – Paartherapie und Eheberatung als Erinnerung an das, was wirklich zählt

Im Alltag, nachdem die erste große Verliebtheit abgeklungen ist, tendiert man jedoch mitunter dazu, solche Details zu vergessen. Deshalb ist es für eine dauerhaft glückliche und erfüllte Beziehung umso wichtiger, dass sich beide Partner ihre Gefühle und die Gründe hierfür immer wieder ins Bewusstsein rufen. Eine gute Paartherapie fragt deswegen nicht nur nach den Problemen, sondern viel mehr nach dem, was gut ist, sowie nach dem, worauf man aufbauen kann, den Gründen. Als Paartherapeut und Eheberater will ich wissen, weswegen man an sich und der Partnerschaft arbeiten will und weswegen es sich lohnt.

Der vielfach stressige Alltag ist in vielen Fällen ein potenter Liebestöter, vor allem, wenn man sich nicht bewusst Auszeiten davon nimmt. Deswegen kann ein neues Setting, in dem der einzige Mittelpunkt die Partnerschaft ist, bei Gesprächen und Überlegungen unterstützen. Ein Eheberater oder Paartherapeut steht folglich nicht nur Paaren zur Seite, welche bei der Klärung ihrer Differenzen Unterstützung benötigen, sondern auch in den Fällen, in denen Coaching und Vermittlung zwischen den Partnern sie auf ihrem alltäglichen Weg begleitet und dazu beiträgt, eine dauerhaft erfüllende Partnerschaft oder glückliche Ehe zu führen.

Anleitung zur bedingungslosen Liebe – der „heilige Gral“ der Paartherapie und Eheberatung

Wie ist es denn nun, mit der bedingungslosen Liebe? Wie liebt man, ohne die eigenen Gefühle an Bedingungen zu knüpfen? Die Antwort auf diese Fragen ist vermutlich genauso schwer wie sie individuell ist. Im Grunde genommen sollte es selbstverständlich sein, den Partner so zu lieben, wie er ist und ich denke, dass dies nicht nur der Wunsch, sondern auch der status quo vieler Paare ist, die meinen Rat als Paartherapeut und Eheberater suchen. Die Problematik sehe ich eher in der Umsetzung. Ist eine Person beispielsweise von seinem Berufsalltag sehr gestresst, benötigt er den spürbaren Rückhalt seines Partners und dies möglicherweise in größerem Ausmaß als sonst. Da kann ein nicht ausgeleerter Müllkübel zu einem Stellvertreterkrieg führen, denn eigentlich geht es nicht um den vollen Müll oder darum, dass der Partner darauf vergessen hat. Es geht viel eher darum, einmal mehr in den Arm genommen zu werden, einmal mehr zu hören, dass der Partner um den Druck in der Arbeit weiß. Die eigenen Bedürfnisse und Gefühle zu kennen und zu kommunizieren ist dabei die Grundlage dafür, dass der Partner Verständnis haben kann, genauso wie dafür, sich selbst bewusst zu sein, dass der Ärger vielleicht gar nicht gegen ihn gerichtet ist.

Um den Partner bedingungslos zu lieben ist es nötig, sich seiner Gefühle bewusst zu sein und auch die Gründe dafür zu hinterfragen – vor allem, wenn es um Enttäuschung, Wut oder Frustration geht. Kommen solche Emotionen auf ist neben der Selbsterkenntnis auch das Gespräch mit dem Partner wichtig, damit dieser die Situation verstehen kann und auch, dass nicht jeder Anflug von Ärger gegen ihn gerichtet ist.